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Lastenheft Fakturierungssystem

Modul: Software Engineering 1 Team: SE1 Team 2 Hochschule Mannheim Version: 1.0 Stand: 12.05.2026 Autor: Christopher Lampert Bezug: Project Charter v1.1 (05.05.2026) Fakturierungssystem


Freigabeübersicht

Ersteller Prüfer Freigebender
Christopher Lampert Prof. Dr. Gerd Marmitt SE1 Team 2 (Gruppenleiter)
SE1 Team 2 Hochschule Mannheim SE1 Team 2
12.05.2026 15.05.2026 15.05.2026

Dokumentenhistorie

Version Datum Autor Änderung
1.0 12.05.2026 Christopher Lampert Initiale Erstellung des Lastenhefts auf Basis Project Charter v1.1

1. Einleitung und Zielbestimmung

1.1 Zweck dieses Dokuments

Ziel dieses Lastenhefts ist die Spezifikation der fachlichen Anforderungen an ein Fakturierungssystem für kleine Unternehmen. Das Dokument beschreibt aus Sicht des Auftraggebers, was das System leisten soll, und bildet die Grundlage für:

  • die Systemarchitektur und das Pflichtenheft,
  • die Projektplanung im V-Modell,
  • die Akzeptanztests bei der Abnahme.

Das Lastenheft ist soweit möglich technologie- und lösungsneutral formuliert. Der konkrete Technologie-Stack ist im separaten Dokument Technologiestack.md dokumentiert und wird im Architekturdokument fortgeschrieben.

1.2 Projektziele

Übernommen und verfeinert aus Charter v1.1, Kapitel 4:

Nr. Ziel Erfolgskriterium
Z1 Produktverwaltung Produkte können erstellt, bearbeitet, gelöscht und gesucht werden
Z2 Kundenverwaltung Kundendaten sind vollständig anlegbar, änderbar, löschbar und auffindbar
Z3 Dokumentenworkflow Vollständiger Prozess Angebot → Auftragsbestätigung → Lieferschein → Rechnung wird unterstützt
Z4 GUI Funktionale, einheitliche Oberfläche mit Navigation zwischen allen Modulen

1.3 Nicht-Ziele

Folgende Funktionen sind explizit nicht Bestandteil dieses Projekts (Charter v1.1, 4.1):

  • Mobile Anwendung
  • Cloud-System / Multi-Tenant-Betrieb
  • Mehrbenutzer-Online-System (gleichzeitiger Mehrbenutzerbetrieb über Netzwerk)
  • Vollwertiges Buchhaltungssystem (z. B. Bilanz, Kontenrahmen, FiBu-Export)
  • E-Rechnung (XRechnung, ZUGFeRD)
  • Anbindung an externe Buchhaltungs- oder ERP-Systeme
  • Mehrsprachigkeit (das System wird ausschließlich in deutscher Sprache realisiert)

1.4 Begriffsklärung: Lastenheft vs. Pflichtenheft

Aspekt Lastenheft (dieses Dokument) Pflichtenheft (Folgedokument)
Sichtweise Auftraggeber (Fachseite) Auftragnehmer (Entwicklungsteam)
Frage Was soll das System leisten? Wie wird es umgesetzt?
Inhalt Ziele, Einsatzkontext, fachliche Anforderungen Architektur, Technologie, Detaildesign
Lösungsneutralität Ja Nein
Rolle im V-Modell Eingabe für Anforderungen + Basis für Abnahmetests Eingabe für Systemtests

1.5 Geltungsbereich

Das Lastenheft umfasst alle Anforderungen an die vier Pflichtmodule Produktverwaltung, Kundenverwaltung, Dokumentenprozess und Programmoberfläche (GUI) sowie deren Zusammenspiel. Außerhalb des Geltungsbereichs liegen die unter 1.3 genannten Nicht-Ziele.


2. Systemkontext und Rahmenbedingungen

2.1 Einsatzkontext

Das Fakturierungssystem wird als lokal installierte Einbenutzer-Anwendung auf einem PC-Arbeitsplatz eines kleinen Unternehmens betrieben. Es unterstützt den vollständigen Geschäftsprozess von der Angebotserstellung bis zur Rechnungsstellung.

Typischer Nutzungsablauf:

  1. Anwender pflegt Produkt- und Kundenstammdaten.
  2. Anwender erstellt ein Angebot auf Basis dieser Stammdaten.
  3. Bei Auftragsannahme wird das Angebot zur Auftragsbestätigung weiterverarbeitet.
  4. Nach Lieferung wird aus der Auftragsbestätigung ein Lieferschein erzeugt.
  5. Abschließend wird aus dem Lieferschein eine Rechnung erstellt.

2.2 Schnittstellen zur Umgebung

Da das System gemäß Charter (Nicht-Ziele) ohne externe Systemanbindung betrieben wird, beschränken sich die Schnittstellen auf:

Schnittstelle Zweck Art
Benutzerschnittstelle (GUI) Interaktion mit dem Anwender UI
Lokales Dateisystem Persistierung der Daten (Stammdaten, Dokumente) Datei-Schnittstelle
Druck-/Export-Schnittstelle Erzeugung druckbarer Dokumente (z. B. PDF) Ausgabeschnittstelle

2.3 Organisatorische Rahmenbedingungen

  • Projektlaufzeit: 15.04.2026 30.06.2026 (Charter v1.1, Kap. 10)
  • Teamgröße: 11 Personen, organisiert in vier Untergruppen E, F, G, H
  • Zeit pro Person: 23 Stunden pro Woche
  • Vorgehensmodell: V-Modell
  • Budget: kein finanzielles Budget
  • Kommunikation: Discord/WhatsApp (täglich), Gitty (kontinuierlich), wöchentliche Meetings, E-Mail an Betreuer bei Bedarf

2.4 Rechtliche Rahmenbedingungen

  • Rechnungen müssen die gesetzlichen Pflichtangaben nach § 14 Abs. 4 UStG enthalten (vollständiger Name und Anschrift von Leistungserbringer und -empfänger, Steuernummer/USt-IdNr., Ausstellungsdatum, fortlaufende Rechnungsnummer, Menge und Art der Leistung, Liefer-/Leistungsdatum, Entgelt und Steuersatz).
  • Personenbezogene Kundendaten unterliegen der DSGVO (Datenminimierung, Auskunfts- und Löschrecht).

Hinweis: Eine abschließende rechtliche Prüfung ist mit dem Auftraggeber abzustimmen (siehe Handlungspunkte).

2.5 Technische Rahmenbedingungen

  • Das System wird lokal ausgeführt (keine zwingende Internetverbindung erforderlich).
  • Die konkrete Technologieauswahl ist in Technologiestack.md dokumentiert.
  • Daten werden persistent gespeichert, sodass sie nach einem Neustart der Anwendung verlustfrei verfügbar sind.
  • Versionierung der Quellcode-Artefakte erfolgt über Gitty (Charter v1.1, Kap. 10).

3. Stakeholder und Benutzergruppen

3.1 Stakeholder

Übernommen aus Charter v1.1, Kap. 6.1:

ID Stakeholder Beschreibung Interesse
S1 Auftraggeber Prof. Dr. Gerd Marmitt Lehrziele erreicht, Abnahmekriterien erfüllt
S2 Entwicklungsteam SE1 Team 2 (Gruppen E, F, G, H) Erfolgreiche Umsetzung, Lernzielerreichung
S3 Endnutzer spätere Anwender (kleines Unternehmen) Funktionierender Fakturierungsablauf

3.2 Benutzerrollen

Im laufenden Betrieb des Systems werden folgende Benutzerrollen unterschieden:

Rolle Aufgaben Typische Aktionen
Anwender Bedient das System im Geschäftsalltag Produkt- und Kundenstammdaten anlegen, bearbeiten und löschen; Angebote, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine und Rechnungen erstellen; Dokumente exportieren und drucken

3.3 Teamstruktur (Verantwortlichkeiten für die Umsetzung)

Verweis auf Charter v1.1, Kap. 6.2:

Gruppe Verantwortungsbereich Bezug zu Kapitel
Gruppe E Programmoberfläche (GUI) 4.4
Gruppe F Dokumentenprozess 4.3
Gruppe G Produktverwaltung 4.1
Gruppe H Kundenverwaltung 4.2

4. Fachliche Anforderungen (Funktionale Anforderungen)

Alle Anforderungen folgen einer der drei in den Vorlesungsfolien definierten Satzschablonen:

  • F-<Nummer> Grundschablone funktional
  • BA-<Nummer> Benutzeranforderung
  • GR-<Nummer> Geschäftsregel (Kap. 6)
  • NF-<Kategorie>-<Nummer> Nicht-funktional (Kap. 5)

Priorität: Muss = Pflicht für die Abnahme, Soll = wichtig, aber verzichtbar, Kann = optional / Erweiterung.

4.1 Modul Produktverwaltung (Gruppe G)

ID Anforderung (Satzschablone) Priorität Akzeptanzkriterium / Test

4.2 Modul Kundenverwaltung (Gruppe H)

ID Anforderung (Satzschablone) Priorität Akzeptanzkriterium / Test

4.3 Modul Dokumentenprozess (Gruppe F)

4.3.1 Angebot

ID Anforderung (Satzschablone) Priorität Akzeptanzkriterium / Test

4.3.2 Auftragsbestätigung

ID Anforderung (Satzschablone) Priorität Akzeptanzkriterium / Test

4.3.3 Lieferschein

ID Anforderung (Satzschablone) Priorität Akzeptanzkriterium / Test

4.3.4 Rechnung

ID Anforderung (Satzschablone) Priorität Akzeptanzkriterium / Test

4.4 Modul GUI / Programmoberfläche (Gruppe E)

ID Anforderung (Satzschablone) Priorität Akzeptanzkriterium / Test

5. Qualitätsanforderungen (nicht-funktionale Anforderungen)

5.1 Usability (NF-USE)

ID Anforderung Priorität Akzeptanzkriterium / Test
NF-USE-01 Das Anlegen eines neuen Kunden MUSS von einem Anwender ohne vorherige Schulung in weniger als 2 Minuten abgeschlossen werden können, wobei höchstens 1 Fehlbedienung pro 10 Testnutzenden zulässig ist. Muss AT-NF-01: Usability-Test mit 5 Probanden; Erfolgsquote > 90 %, Median-Zeit < 120 s.
NF-USE-02 Mindestens 80 % der Testnutzenden MÜSSEN die Aufgabe „Aus einem Angebot eine Rechnung erzeugen" im ersten Versuch ohne Hilfetext erfolgreich abschließen. Muss AT-NF-02: Usability-Test mit 5 Probanden, mindestens 4/5 erfolgreich.
NF-USE-03 Das System MUSS bei jeder validierungspflichtigen Eingabe innerhalb von 1 Sekunde eine sichtbare Rückmeldung (Erfolg oder Fehler) anzeigen. Muss AT-NF-03: Manueller Test: Eingabe abschicken, Stoppuhr; Rückmeldezeit < 1 s.

5.2 Performance (NF-PERF)

ID Anforderung Priorität Akzeptanzkriterium / Test
NF-PERF-01 Das System MUSS jede Benutzeraktion innerhalb von 1 Sekunde mit einer sichtbaren Rückmeldung beantworten (bei einem Datenbestand von bis zu 1.000 Produkten und 1.000 Kunden). Muss AT-NF-04: Lasttest mit 1.000 Datensätzen je Entität; gemessene Antwortzeit < 1 s.
NF-PERF-02 Das System MUSS die Übersichtsliste von Produkten oder Kunden bei bis zu 1.000 Datensätzen innerhalb von 2 Sekunden vollständig anzeigen. Muss AT-NF-05: Lasttest mit 1.000 Einträgen; Anzeigedauer < 2 s.
NF-PERF-03 Das System MUSS den Anwendungsstart vom Aufruf bis zur bedienbaren Hauptansicht in höchstens 5 Sekunden abschließen (Referenzhardware: handelsüblicher Bürorechner, siehe Handlungspunkte). Soll AT-NF-06: Kaltstart auf Referenzhardware < 5 s.

5.3 Wartbarkeit (NF-MAINT)

ID Anforderung Priorität Akzeptanzkriterium / Test
NF-MAINT-01 Der Quellcode MUSS modular nach den vier Modulen Produktverwaltung, Kundenverwaltung, Dokumentenprozess und GUI getrennt sein (eigene Pakete/Verzeichnisse). Muss AT-NF-07: Statische Prüfung der Repository-Struktur.
NF-MAINT-02 Mindestens 80 % der öffentlichen Klassen und Methoden MÜSSEN über kurze Dokumentationskommentare (Zweck, Parameter, Rückgabe) verfügen. Soll AT-NF-08: Statische Analyse / Stichprobe von 20 öffentlichen Methoden; > 16 dokumentiert.
NF-MAINT-03 Das System MUSS einer dokumentierten, dreischichtigen Architektur (Präsentation Logik Datenhaltung) folgen. Muss AT-NF-09: Review des Architekturdokuments; nachweisbare Schichtentrennung.

5.4 Testbarkeit (NF-TEST)

ID Anforderung Priorität Akzeptanzkriterium / Test
NF-TEST-01 Jede Anforderung mit Priorität „Muss" MUSS mindestens einem Akzeptanztest in der Traceability-Matrix zugeordnet sein. Muss AT-NF-10: Vollständigkeitsprüfung der Traceability-Matrix vor Abnahme.
NF-TEST-02 Die Geschäftslogik (Logikschicht) MUSS so gestaltet sein, dass sie ohne die GUI durch automatisierte Komponententests aufgerufen werden kann. Muss AT-NF-11: Mindestens ein lauffähiger Unit-Test pro Modul ohne GUI-Abhängigkeit.
NF-TEST-03 Mindestens 30 % der Geschäftslogik-Methoden SOLLEN durch automatisierte Tests abgedeckt sein (Line Coverage). Soll AT-NF-12: Coverage-Report > 30 %.

5.5 Versionierung (NF-VER)

ID Anforderung Priorität Akzeptanzkriterium / Test
NF-VER-01 Der gesamte Quellcode MUSS in Gitty unter den im Charter v1.1, Kap. 6.2, genannten Repositories versioniert werden. Muss AT-NF-13: Sichtprüfung der Repositories.
NF-VER-02 Jeder Merge in den Hauptbranch MUSS durch mindestens ein Code-Review eines anderen Teammitglieds freigegeben werden. Muss AT-NF-14: Review-Historie in Gitty zeigt für jeden Merge mindestens einen Reviewer.

5.6 Architektur und Datenhaltung (NF-ARCH)

ID Anforderung Priorität Akzeptanzkriterium / Test
NF-ARCH-01 Das System MUSS alle Datensätze (Produkte, Kunden, Dokumente) persistent so speichern, dass sie nach einem Neustart der Anwendung vollständig wiederhergestellt werden. Muss AT-NF-15: Datensätze anlegen → Anwendung beenden → neu starten → Datensätze sind unverändert vorhanden.
NF-ARCH-02 Die Datenhaltung MUSS hinter einer abstrakten Schnittstelle (Repository oder DAO) gekapselt sein, sodass die konkrete Speichertechnologie austauschbar ist. Soll AT-NF-16: Code-Review zeigt Repository-/DAO-Abstraktion; Technologiewechsel würde nur diese Schicht betreffen.

5.7 Sicherheit und Datenschutz (NF-SEC)

ID Anforderung Priorität Akzeptanzkriterium / Test
NF-SEC-01 Das System MUSS personenbezogene Kundendaten so speichern, dass sie ohne Zugriff auf das Anwendungs-Verzeichnis nicht im Klartext einsehbar sind (z. B. lokale Datei in geschütztem Anwendungspfad). Soll AT-NF-17: Inspektion der Datendatei aus einem fremden Nutzerkontext zeigt keinen lesbaren Klartext (oder die Datei ist nicht zugreifbar).
NF-SEC-02 Das System MUSS dem Anwender ERMÖGLICHEN, einen Kunden auf dessen Verlangen gemäß DSGVO Art. 17 zu löschen, sofern keine gesetzlichen Aufbewahrungspflichten (z. B. 10 Jahre für Rechnungen) entgegenstehen. Soll AT-NF-18: Löschanforderung an einen Kunden ohne aktive Rechnungen → Kunde wird entfernt; Anonymisierung bei vorhandenen Rechnungen ist möglich.

6. Daten, Schnittstellen und Geschäftsregeln

6.1 Datenobjekte

Die folgenden Datenobjekte bilden den fachlichen Kern des Systems. Eine Darstellung als UML-Klassendiagramm wird im Pflichtenheft / Architekturdokument ergänzt.

6.1.1 Produkt

  • Identifikator: Produkt-ID (eindeutig, fortlaufend)
  • Pflichtattribute: Bezeichnung, Einzelpreis netto, Mehrwertsteuersatz
  • Optionale Attribute: Beschreibung, Kategorie

6.1.2 Kunde

  • Identifikator: Kunden-ID (eindeutig, fortlaufend)
  • Pflichtattribute: Firmenname/Nachname, Straße, PLZ, Ort
  • Optionale Attribute: Vorname, Telefon, E-Mail, USt-IdNr., abweichende Lieferadresse, Ansprechpartner

6.1.3 Angebot

  • Identifikator: Angebotsnummer (z. B. A-<Jahr>-<lfd. Nr.>)
  • Pflichtattribute: Kundenreferenz, Datum, Positionen (Produkt, Menge, Einzelpreis), Gesamtsumme (netto/brutto), Status (offen / überführt / verworfen)

6.1.4 Auftragsbestätigung (Auftrag)

  • Identifikator: Auftragsnummer (z. B. AB-<Jahr>-<lfd. Nr.>)
  • Pflichtattribute: Referenz auf Angebot, Kundenreferenz, Datum, Positionen, Gesamtsumme, Status (bestätigt / geliefert)

6.1.5 Lieferschein

  • Identifikator: Lieferscheinnummer (z. B. LS-<Jahr>-<lfd. Nr.>)
  • Pflichtattribute: Referenz auf Auftragsbestätigung, Kundenreferenz, Lieferdatum, Positionen (Produkt, Menge), Status (offen / geliefert / fakturiert)

6.1.6 Rechnung

  • Identifikator: Rechnungsnummer (eindeutig, fortlaufend, lückenlos z. B. R-<Jahr>-<lfd. Nr.>)
  • Pflichtattribute: Referenz auf genau einen Lieferschein, Kundenreferenz, Rechnungsdatum, Positionen, Netto-, USt.- und Bruttosumme, Pflichtangaben nach § 14 UStG, Status (offen / bezahlt falls genutzt)

6.2 Beziehungen zwischen Datenobjekten

Beziehung Multiplizität
Kunde → Angebot 1 : n
Angebot → Auftragsbestätigung 1 : 0..1
Auftragsbestätigung → Lieferschein 1 : 0..1
Lieferschein → Rechnung 1 : 0..1
Produkt → Angebotsposition / Auftragsposition / Lieferscheinposition / Rechnungsposition 1 : n

6.3 Geschäftsregeln

ID Geschäftsregel Akzeptanzkriterium / Test
GR-01 Dokumentenkette: Eine Rechnung verweist auf genau einen Lieferschein; ein Lieferschein auf genau eine Auftragsbestätigung; eine Auftragsbestätigung auf genau ein Angebot. Wenn ein Folgedokument erzeugt werden soll, dann muss das jeweilige Vorgängerdokument im passenden Status vorliegen. AT-GR-01: Versuch, eine Rechnung ohne zugehörigen Lieferschein anzulegen, wird abgewiesen.
GR-02 Eindeutigkeit der Rechnungsnummer: Wenn eine neue Rechnung erstellt wird, dann vergibt das System die nächste freie, fortlaufende Rechnungsnummer aus der laufenden Sequenz; Nummern dürfen nicht wiederverwendet werden. AT-GR-02: Drei aufeinander folgende Rechnungen haben fortlaufende, eindeutige Nummern.
GR-03 Unveränderlichkeit festgeschriebener Rechnungen: Wenn eine Rechnung erzeugt und gespeichert wurde, dann ist sie nicht mehr inhaltlich änderbar. AT-GR-03: Bearbeitungsversuch auf gespeicherte Rechnung wird abgewiesen.
GR-04 Preisübernahme: Wenn eine Produktposition in ein Angebot übernommen wird, dann wird der zu diesem Zeitpunkt gültige Einzelpreis des Produkts in der Position festgehalten und nicht durch spätere Produktpreisänderungen verändert. AT-GR-04: Preisänderung am Produkt verändert nicht den Preis bestehender Angebote/Aufträge.
GR-05 Stammdatenschutz: Ein Produkt oder Kunde darf nicht gelöscht werden, solange er/es in einem Angebot, einer Auftragsbestätigung, einem Lieferschein oder einer Rechnung referenziert wird. AT-GR-05: Löschversuch eines referenzierten Stammdatensatzes wird abgewiesen.
GR-06 Summenberechnung: Wenn ein Dokument mit Positionen gespeichert wird, dann gilt: Nettosumme = Sum (Menge × Einzelpreis); USt.-Betrag pro Position = Nettosumme × MwSt.-Satz; Bruttosumme = Nettosumme + USt.-Betrag. AT-GR-06: Manuelle Nachrechnung an drei Beispielen stimmt mit Systemausgabe überein.

6.4 Schnittstellen

ID Schnittstelle Beschreibung
IF-01 Benutzerschnittstelle (GUI) Interaktive Oberfläche, siehe Kap. 4.4
IF-02 Datei-Schnittstelle Persistenz Lokale Speicherung der Stammdaten und Dokumente (siehe NF-ARCH-01)
IF-03 Druck-/Export-Schnittstelle Erzeugung druckbarer Dokumente, vorzugsweise PDF (siehe F-DP-12)

7. Akzeptanzkriterien und Abnahmebedingungen

7.1 Übernahme aus Project Charter v1.1

Aus Charter v1.1, Kap. 13, werden die folgenden Abnahmekriterien übernommen und im Folgenden verfeinert:

  • alle Pflichtmodule implementiert
  • vollständiger Dokumentenprozess vorhanden
  • GUI funktionsfähig
  • Tests erfolgreich
  • Präsentation bestanden

7.2 Verfeinerte Akzeptanzkriterien

Das System gilt als abgenommen, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:

ID Akzeptanzkriterium Bezug
AK-01 Alle Muss-Anforderungen aus Kap. 4 und 5 sind implementiert und durch zugeordnete Akzeptanztests nachgewiesen. F-, BA-, NF-* (Priorität Muss)
AK-02 Die vier Pflichtmodule Produktverwaltung, Kundenverwaltung, Dokumentenprozess und GUI sind jeweils in ihrem Repository (Gruppen G, H, F, E) lauffähig und in das Gesamtsystem integriert. Charter v1.1, Kap. 6.2
AK-03 Der vollständige Dokumentenprozess Angebot → Auftragsbestätigung → Lieferschein → Rechnung kann anhand eines Beispielkunden und -produkts durchgängig demonstriert werden. Kap. 4.3
AK-04 Die Traceability-Matrix (Anhang) ordnet jeder Muss-Anforderung mindestens einen Akzeptanztest zu. NF-TEST-01
AK-05 Die Lasttests gemäß NF-PERF-01 und NF-PERF-02 sind mit dem geforderten Datenbestand erfolgreich durchgeführt. Kap. 5.2
AK-06 Das Lastenheft und das Pflichtenheft / Architekturdokument liegen in der jeweils final freigegebenen Version vor. Charter v1.1, Kap. 8 (M1, M2)
AK-07 Die Abnahmepräsentation gegenüber dem Auftraggeber (Prof. Dr. Marmitt) ist erfolgreich durchgeführt. Charter v1.1, M7

7.3 Definition of Done (modulbezogen)

Übernommen aus Charter v1.1, Kap. 12. Ein einzelnes Feature/Modul gilt als abgeschlossen, wenn:

  • implementiert und funktionsfähig,
  • getestet (mindestens ein Akzeptanztest pro Muss-Anforderung),
  • Code-Review durchgeführt,
  • dokumentiert,
  • in das Gesamtsystem integriert.

8. Anhänge

8.1 Glossar

Begriff Bedeutung
Angebot Unverbindliches Preisangebot an einen Kunden
Auftragsbestätigung Verbindliche Bestätigung der Auftragsannahme nach Angebot
Lieferschein Dokument, das die Auslieferung der Ware bescheinigt
Rechnung Forderung nach § 14 UStG mit Steuerangaben
Stammdaten Produkt- und Kundendaten (Grunddaten)
Bewegungsdaten Dokumente (Angebot, Auftrag, Lieferschein, Rechnung)
Lastenheft (CRS) Customer Requirements Specification beschreibt aus Auftraggebersicht, was das System leisten soll
Pflichtenheft Antwortdokument des Auftragnehmers beschreibt, wie das System realisiert wird
V-Modell Vorgehensmodell mit symmetrischer Zuordnung von Entwicklungs- und Testphasen
Traceability Rückverfolgbarkeit von Anforderung zu Test
Akzeptanztest Test, der die Erfüllung einer Anforderung aus Sicht des Auftraggebers prüft
Anwender Einzige Benutzerrolle des Systems: bedient das Fakturierungssystem im Geschäftsalltag (Stammdaten pflegen, Dokumente erzeugen)

8.2 Abkürzungsverzeichnis

Abkürzung Bedeutung
AB Auftragsbestätigung
AK Akzeptanzkriterium
AT Akzeptanztest
BA Benutzeranforderung
CRS Customer Requirements Specification (Lastenheft)
DoD Definition of Done
DSGVO Datenschutz-Grundverordnung
F Funktionale Anforderung
GR Geschäftsregel
GUI Graphical User Interface
IF Interface (Schnittstelle)
KV Kundenverwaltung
LS Lieferschein
MwSt. Mehrwertsteuer
NF Nicht-funktional
NF-ARCH Nicht-funktional, Kategorie Architektur
NF-MAINT Nicht-funktional, Kategorie Wartbarkeit (Maintainability)
NF-PERF Nicht-funktional, Kategorie Performance
NF-SEC Nicht-funktional, Kategorie Security
NF-TEST Nicht-funktional, Kategorie Testbarkeit
NF-USE Nicht-funktional, Kategorie Usability
NF-VER Nicht-funktional, Kategorie Versionierung
PV Produktverwaltung
R Rechnung
TH Technische Hochschule
UStG Umsatzsteuergesetz
USt-IdNr. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

8.3 Referenzen

  • [1] ProjectCharter_v1.1.md Project Charter Fakturierungssystem, Version 1.1, 05.05.2026
  • [2] projectcharter.pdf Project Charter Fakturierungssystem, Version 1.0 (Erstfassung)
  • [3] week6slides.pdf Vorlesung Software Engineering 1, Woche 6: Lastenheft und testbare Benutzeranforderungen, Prof. Dr. Gerd Marmitt
  • [4] week7slides.pdf Vorlesung Software Engineering 1, Woche 7: Pflichtenheft, Anforderungen und Traceability, Prof. Dr. Gerd Marmitt
  • [5] Technologiestack.md separates Dokument zum verwendeten Technologie-Stack (nur am Rand relevant, da Lastenheft lösungsneutral)
  • [6] § 14 UStG Umsatzsteuergesetz, Pflichtangaben in Rechnungen
  • [7] DSGVO Verordnung (EU) 2016/679

8.4 Traceability-Matrix (Übersicht)

Verkürzte Darstellung gemäß Folie „Traceability-Matrix" (Woche 6, S. 34). Eine vollständige Matrix wird im Pflichtenheft / Testkonzept geführt.

Anforderung Typ Zugeordneter Akzeptanztest

Ende des Dokuments Lastenheft v1.0.